„Wer wird Millionär? – Prominentenspecial“ 2.6.2014 – Interview mit Wolfgang Bosbach!

Herr Bosbach, sind Sie nervös?
„Ich bin seit Tagen nervös und kann mich noch an den Moment erinnern, als man mich angerufen hat und fragte, ob ich gerne teilnehmen würde. Als ich hörte, dass Waldemar Hartmann, Christoph Daum und die Geissens dabei sind, habe ich sofort Ja gesagt. Nachdem ich aufgelegt hatte, dachte ich mir allerdings: „Um Gottes Willen, was hast du da gemacht?“.

Das heißt, Sie sind positiv angetan von Ihren Mitstreitern?
„Ja, als alter Fußballfan freut man sich natürlich, solche Experten in seiner Nähe zu haben. Wenn es dann allerdings um das Thema Oper geht, können die auch nicht mehr helfen als andere.“

Haben Sie sich auf die Sendung vorbereitet?

„Ich habe mich bei der Vorbereitung zumindest bemüht. Eine große deutsche Programmzeitschrift druckt Fragen aus vergangenen Sendungen ab, mit denen ich geübt habe. Aber das lief eher mittelprächtig. Meine Kinder haben auch zu mir gesagt: „Papa, das hat keinen Zweck, was du da machst. Denn das, was da drin steht, wird sowieso nicht gefragt. Mach‘ dir keinen Kopf. Du machst das schon“. Offensichtlich haben die Kinder mehr Vertrauen in mich als ich selbst.“

Haben Sie Angst vor einer Blamage?
„Ja, ich glaube, dass man sich da nur blamieren kann. Wenn man was weiß, sagt das Publikum: „Ist doch klar“. Wenn man etwas nicht weiß, sagt es: „Typisch Politiker – Große Klappe, aber nichts dahinter“.“

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Bisher waren selten Politiker beim WWM-PS. Warum haben gerade sie so große Angst davor?
„Weil wir uns selbst in der Öffentlichkeit häufig mit dem Anschein umgeben, wir wüssten alles und könnten alle Probleme lösen. Wir geben nicht gerne Fehler oder Schwächen zu. Und wenn wir dann eine Frage nicht beantworten können, bei der 70 Prozent des Publikums sagen: „Mensch, das muss man doch wissen!“, dann ist das eine Blamage. Es blamiert sich ja keiner gerne und genauso ist es bei uns Politikern auch.“

Wo liegen Ihre Stärken und Schwächen?
„Ich hoffe, dass viele Fragen rund um den Sport gestellt werden. In Geographie bin ich, glaube ich, auch ganz gut sortiert. Ich habe allerdings panische Angst vor Märchen, Comics und allem, was mit Kinderbuchliteratur und auch mit Naturwissenschaften zu tun hat. Jetzt weiß ich natürlich, warum der Lehrer damals gesagt hat: „Ihr müsst auch Physik und Chemie lernen, selbst, wenn ihr es im Beruf später nie gebrauchen werdet“. Hätte ich doch bloß auf die Lehrer gehört.“

Sind Sie so ein Fußballfan?
„Ja, von Kindesbeinen an. In den ersten Jahren habe ich gedacht, ich könnte mein Geld später mit Fußballspielen verdienen. Aber der Wille war letztendlich doch größer als das sehr überschaubare Talent. Dann musste ich eben einen bürgerlichen Beruf ergreifen. Ich bin aber jedes Wochenende im Stadion, denn der Sport interessiert mich wirklich. Ich bin Fan vom 1. FC Köln und komme auch gerade von den Aufstiegsfeierlichkeiten. Auch beim letzten Heimspiel gegen St. Pauli war ich dabei. Es ist natürlich toll, dass wir aufgestiegen sind, aber ich fürchte, das war der letzte gemütliche Nachmittag, den wir gehabt haben. In der ersten Liga wird’s schwieriger.“

Haben Sie mitbekommen, wie Waldemar Hartmann als Telefonjoker beim „Wer wird Millionär? – Prominentenspecial“ versagt hat?
„Ja, er hat mein komplettes Mitleid. Aber genau davor habe ich ja jetzt auch Angst. Ich glaube, es ist ein fundamentaler Unterschied, ob man im Plüsch vorm Fernseher sitzt – links eine Flasche Bier und rechts ein bisschen Salzgebäck –, sich zurücklehnt und sagt: „Mensch, wieso weiß der Kandidat das nicht? Das gehört doch zum Allgemeinwissen“, oder ob man selbst auf dem Schleudersitz, bzw. auf dem heißen Stuhl, sitzt und über die Antwort nachgrübelt. In dem Moment, wo man den Raum verlässt, denkt man dann: „War doch klar, das konnte nur Antwort C sein“.“

Haben Sie von Ihrer Familie einen Talisman bekommen?
„Ich habe neben meiner Frau als moralischer Verstärkung tatsächlich einen Talisman mitgebracht – unsere jüngste Tochter Victoria. Die hat gerade den Abiturstress hinter sich. Papa hat den Stress noch vor sich.“

Sie gehen sehr offen mit Ihrer Krankheit um. Wie geht es Ihnen momentan?
„Wenn der Abend gut verläuft, dann hat das mehr therapeutische Wirkung als alle Pillen. Wenn nicht, dann setze ich mich morgen noch einmal ins Wartezimmer.“

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