Arzt und Patient geben in Wangen Einblick in ihre Corona-Erfahrungen

25.10.2020 Wangen im Allgäu. Die Volkshochschule Wangen hatte mit dem von ihr organisierten Vortrag zum Thema Corona offensichtlich einen Nerv getroffen. Die Turnhalle auf dem Gelände der Waldburg-Zeilschen Kliniken in Wangen war – coronakonform – fast komplett besetzt.

Und obwohl viel Wissen um die Pandemie vorhanden ist, gab es viele neue Einblicke und Interessantes im Vortrag von Dr. Dominik Harzheim zu erfahren. Der Chefarzt für Pneumologie an den Fachkliniken Wangen und Leiter des Lungenzentrums Südwest brachte zudem einen Patienten mit, der im März an Covid-19 erkrankte und bis heute schwer an den Folgen trägt.

In beiden Vorträgen zeigte sich übrigens auch, dass es ein meilenweiter Unterschied ist, ob jemand über das Fernsehen oder den Stream ins Zimmer kommt oder ob live und direkt ganz analog gesprochen und auch persönliche Betroffenheit transportiert wird.

Ein Blick in die Geschichte

Dr. Harzheim blickte kurz auf den Unterschied von früheren Pandemien und Corona. Die Pest raffte fast die Hälfte der Bewohner des mittelalterlichen Europa dahin. Die Schuld wurde den Juden in die Schuhe geschoben, die weniger betroffen waren – wahrscheinlich, weil sie aus religiösen Gründen bereits damals eine bessere Hygiene hatten.

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Die Spanische Grippe, die rund 50 Millionen Menschen weltweit am Ende des Ersten Weltkrieges das Leben kostete, wurde totgeschwiegen, weil gleichzeitig ganz Europa ein Schlachtfeld war und man die Truppen nicht demoralisieren wollte.

Und heute? „Die Corona-Pandemie ist eine öffentliche Pandemie“, sagte Dr. Harzheim. Und ständig gibt es neue Informationen.

Rückblick auf die Anfänge der Corona-Pandemie

Als im Januar in Wuhan das Covid-19-Virus ausbrach, habe hier noch niemand gedacht, dass dies irgendwann etwas mit uns zu tun haben könnte“, sagte Dr. Harzheim. Als jedoch Italien betroffen wurde, machte sich unter die Vermutung breit, dass diese Krankheit auch in Deutschland gefährlich werden könnte.

Sehr wahrscheinlich sei, dass ein vollbesetztes Fußballspiel in Bergamo Auslöser für die rapide Ausbreitung des Virus in Italien war. Feuchtigkeit, Kälte, eine hohe Aerosol-Produktion durch lautes Schreien oder Singen, zu viel Nähe sowie Alkoholkonsum hätten dem Virus einen idealen Nährboden bereitet.

Corona und die Übersterblichkeit

Während Italien für das Jahr 2020 eine erhebliche Übersterblichkeit sowohl durch Corona als auch an anderen Krankheiten notiert, muss für Deutschland bisher keine Übersterblichkeit festgehalten werden. Doch der Mediziner warnte auch: Die Todesrate könnte auch bei uns stark steigen.

Besonders betroffen sind alte Menschen, und dabei besonders die Männer. Deshalb gelte es, alte Menschen besonders zu schützen. Aber es gebe auch „fiese Ausnahmen“, sagte er.

So wusste Dr. Harzheim von einer jungen Patientin zu berichten, die sich nach überstandener Infektion oft sehr schlapp fühle. Woher diese Schlappheit komme, lasse sich aber nicht feststellen. Klar ist nur: Sie hat bisher nicht dieselbe Lebensqualität zurück erlangt, die sie vorher hatte.

Hauptübertragungswege des Covid-19-Virus

Bisher sei klar, dass es sich bei Covid-19 um eine Tröpfcheninfektion handelt. Welche Wirkung Aerosole genau haben, wisse man derzeit noch nicht. Jedoch gebe es bisher keinen Beweis, dass so eine Infektion über Oberflächenkontakt zustande gekommen sei, berichtete der Facharzt.

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Die Bedeutung der AHA-Regeln

Da die Inkubationszeit drei bis vier Tage lang ist, bis Symptome auftreten, können viele Kontaktpersonen infiziert werden. „Insofern ist das Virus ein gesellschaftliches Problem“, sagte Dr. Harzheim. Deshalb sind nach der Forschung die Einhaltung der AHA-Regeln, also richtiges Husten, Alltagsmasken tragen und Hände waschen, äußerst wichtig.

Was hat sich in der Therapie verändert?

„Wir haben heute mehr Dinge in der Hand bei der Therapie als im Frühjahr“, sagte Dr. Harzheim. Heute wisse man, das man durch die Verringerung von Blutgerinseln durch Blutverdünnung einen wichtigen Schritt gehe. Zudem habe sich gezeigt, dass die Verabreichung des in der Ebola-Forschung entwickelte Medikament „Remdesivir“ dann sinnvoll sei, wenn Patienten an den Sauerstoff angeschlossen werden.

Es hemme die Ausbreitung des Virus und verringere dadurch die Krankheitsschwere und ihre Dauer. Zu einem späteren Zeitpunkt sei die Gabe von Dexamethason richtig. Der Wirkstoff behandle allergische und entzündliche Prozesse in der Lunge.

Wie steht es um einen Impfstoff?

Es sei nicht zu erwarten, dass vor Sommer 2021 ein Impfstoff zur Verfügung stehe. Viele Studien seien jedoch in der Endphase der Entwicklung.

Wie blickt ein Betroffener auf Corona?

Infiziert hatte sich der Patient vermutlich in einem Bus in Südtirol. Er war mit seiner Frau beim Skifahren, auf keinen Partys und steckte sich wahrscheinlich an einem Ehepaar an, das hinter ihnen im Bus nach Bozen, ohne Unterlass hustete und nieste. Seine Frau habe er schützen können. Er selber habe aber die „volle Ladung“ abbekommen. Als erste Hotels anfingen zu schließen, seien sie abgereist und direkt in Quarantäne gegangen.

Dann kam bei ihm Fieber bis 40,5 Grad ohne Schweißausbrüche und ein Kratzen im Hals. Sein Arzt behandelte ihn nur am Telefon. Ein Test bestätigte am 13. März die Infektion. Eine Woche später fühlte er sich so schlecht, dass er um Einweisung ins Krankenhaus bat. Das wurde zunächst abgelehnt. Am 22. März brachte seine Frau ihn direkt dorthin. Er hatte noch 80 Prozent Sauerstoff im Blut. Normal sind 97 Prozent wie Dr. Harzheim bestätigte. Am Abend desselben Tages wurde er ins künstliche Koma versetzt und künstlich beatmet. Fünf Wochen blieb er auf der Intensivstation.

„Ich habe 13 Kilo verloren. Ich war ein Wrack“, sagte der Patient. Doch mit der Verlegung auf die Normalstation war noch lange nicht viel gewonnen. „Es war der Horror für mich“, sagte der Patient.

Auf 10 Quadratmetern habe er mit dem Rollator mühsam wieder trainiert. An der sechswöchigen Reha habe er zunächst nur im Rollstuhl teilnehmen können. Er ist immer noch arbeitsunfähig. Er klagt über hohe Nervosität, kann immer noch nichts riechen und nur langsam wieder etwas schmecken. Sein Appell: „Passt auf euch auf! Es ist keiner davor gefeit!“ Und: „Party machen und dann die Eltern oder Großeltern anstecken – das geht gar nicht!“

Wie steht es heute?

Heute würde ein Corona-Verdachtsfall normalerweise von Beginn an anders betreut, sagte Dr. Harzheim, denn inzwischen sei die Situation der Ärzte – auch was das Thema Schutzkleidung angehe – besser als im Frühjahr. Und Wangen habe eine Corona-Schwerpunkt-Praxis. Auch das erleichtere Vieles.

Arzt und Patient haben jedoch auch eine klare Meinung zu Menschen, die das Haus verlassen, obwohl sie eine Quarantäne einhalten müssen. „Da ist die rote Linie überschritten“, sagte Dr. Harzheim.

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