Derzeit keine neuen dezentralen Unterkünfte für Flüchtlinge im Landkreis Lindau

12.2.2016 Lindau (Bodensee). Laut einer aktuellen Prognose der Regierung von Schwaben müssen bis Ende 2016 voraussichtlich 1.600 Unterkunftsplätze im Landkreis zur Verfügung stehen. Dies entspricht etwa 2% der Einwohnerzahlen. Sollte diese Prognose zutreffen, so könnte dies das Landratsamt mit den bereits angemieteten oder geplanten Unterkünften weitestgehend erfüllen.

„Mit Blick auf die aktuellen Geschehnisse in Syrien rechne ich aber mit einer deutlich höheren Zahl an Flüchtlingen“, so Landrat Elmar Stegmann. Trotzdem hat sich das Landratsamt entschieden, vorübergehend keine neuen Wohnungen oder Häuser anzumieten.

Von geplanten 35-40 Asylsuchenden pro Woche werden von der Regierung von Schwaben schon seit Weihnachten nur 5-10 zugewiesen. „Bei uns haben sich freie Kapazitäten von etwa 220 Plätzen aufgebaut“, berichtet Tobias Walch, Geschäftsbereichsleiter Soziales und Kreisentwicklung am Landratsamt Lindau. Dem Landkreis entsteht dadurch kein Nachteil, da alle Unterkunftskosten auch bei Leerstand vom Freistaat Bayern getragen werden.

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„Auch wenn sich die Zuweisungssituation bald wieder ändern dürfte, so haben wir vor diesem Hintergrund entschieden, zunächst von der Akquise weiterer Unterkünfte abzusehen“, informiert Landrat Elmar Stegmann die Bürgermeister in einem aktuellen Schreiben. Derzeit werden nur die Objekte weiter umgesetzt, bei denen die Mietverträge bereits unterzeichnet sind oder die Vertragsverhandlungen vor dem Abschluss stehen.

Landrat Elmar Stegmann gibt jedoch keine Entwarnung: „Wir werden die Zuweisungssituation weiter beobachten und voraussichtlich im April/Mai neu bewerten.“ Er befürchtet, dass dies derzeit die Ruhe vor dem Sturm ist und schon in wenigen Wochen wieder eine große Anzahl von Flüchtlingen in Lindau ankommen wird. „Besonders in den Gemeinden mit geringer Quotenerfüllung sollte deshalb dringend nach weiteren Mietobjekten oder Grundstücken für die mittelfristige Errichtung von Modulbauten gesucht werden.“

Bis Ende des Jahres werden voraussichtlich 250 Wohneinheiten mit 1.800 Plätzen an 90 Unterkunftsstandorten in allen Städten und Gemeinden im Landkreis zur Verfügung stehen. Zusätzlich werden die vorbereiteten Notaufnahmeplätze in der landkreiseigenen FOS-Turnhalle in Lindau weiter vorgehalten.

Die umfangreichen komplexen Aufgaben im Zusammenhang mit der Aufnahme von Asylsuchenden haben dazu geführt, dass zum 1. Januar 2016 ein neuer Fachbereich „Aufnahme von Asylsuchenden“ im Landratsamt gegründet wurde. Diesem Fachbereich ist die gesamte Unterkunftsakquise und –verwaltung zugeordnet einschließlich eines Hausmeisterteams sowie der Asylsozialberatung.

„Die Integration dieser Menschen wird die große Herausforderung der nächsten Jahre. Dafür müssen wir gut gerüstet sein und schon früh die wichtigen Weichen stellen“, fordert Stegmann. Zusammen mit der Diakonie Kempten-Allgäu baut der Landkreis aktuell ein Team von Sozialarbeitern und Assistenzkräften auf, deren Aufgabe neben der Beratung und Betreuung der Asylsuchenden insbesondere auch die Zusammenarbeit mit den Gemeinden, Helferkreisen und Vereinen vor Ort ist. „Wir erhoffen uns davon eine wesentliche Verbesserung der nötigen Integrationsarbeit“, so Tobias Walch.



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