KinoTipp: STILL

Donnerstag, 19. Juni 2014

STILL, der am 19.6.2014 in den Deutschen Kinos startet, ist das berührende, humorvolle, wie intime Langzeitportrait einer jungen Frau, die mit Entschlossenheit und großer Sicherheit ihren Weg zwischen Tradition und Moderne geht.

Einfühlsam beobachtet von Matti Bauer, mit meditativer Ruhe in wunderbaren Schwarzweiß-Bildern erzählt.
Ein Plädoyer für die Ruhe und Langsamkeit der Bergwelt im Gegensatz zurDauerberieselung der Großstadt.

Eine junge Frau verlässt den Hof der Eltern und geht auf eine Alm in den Bergen. Abgeschieden von der Welt im Tal führt sie ein einfaches, aber freies Leben, gebunden nur an den Rhythmus, den die Tiere auf der Alm ihr vorgeben. Uschi melkt, buttert und macht Käse. Sie ist eins mit sich und den Tieren, für die sie Verantwortung übernommen hat.

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Einen Almsommer lang kann die selbstbewusste Sennerin vergessen, dass die Zukunft des elterlichen Hofes ungeklärt ist. Doch im nächsten Winter ist Uschi schwanger, der Freund weg und der Almsommer in weite Ferne gerückt. Auf dem Hof beginnt ein zähes Ringen zwischen Uschi und ihren Eltern um die Übergabe des Betriebs.

Matti Bauer erzählt in seinem Film die Geschichte einer jungen Bäuerin im bayerischen Oberland.

Über beinahe zehn Jahre lässt er uns erleben, wie ihr Traum vom Leben auf der Alm trotz aller äußeren Zwänge doch am Leben bleibt

Ein Film von Matti Bauer
Kamera: Klaus Lautenbacher
Ton: Gregor Kuschel, Sebastian Wagner, Andy Eschbaumer, Huba Barath
Schnitt: Ulrike Tortora
Produktion: Milli & Kas
Produzent: Matti Bauer
Assoziierte Produzenten: Christian Bauer und Dagmar Biller (Tangram International GmbH),
Tangram Lea & Lorenz Bauer GbR

Interview mit Uschi im April 2014:

Uschi, du lebst sehr abgeschieden mit deiner Familie auf dem Hof. Fehlt dir die Stadt manchmal?

„Mir fehlt nichts auf dem Hof. Wenn ich mal weggehen will, kann ich es ja tun. Der Tom und ich gehen manchmal weg, treffen Freunde, gehen auf ein Fest. Leute kommen zu Besuch zu uns.“

Was gibt dir der Hof, was die Stadt dir nicht bieten kann?

„Ich genieße die stillen Momente auf dem Hof. Ich mag auch den ganzen Tag keinen Radio und diese Dauerberieselung. Deshalb kann ich es in der Stadt nicht lange aushalten. Die landwirtschaftliche Arbeit ist ja oft sehr laut, mit den ganzen Maschinen, aber im Stall, da hört man das Mampfen der Kühe und das ist es was ich hören mag. Ich mag es gerne stad, still.“

Im landwirtschaftlichen Bereich ist es inzwischen überhaupt nicht leicht, einen so kleinen Hof, wie ihr ihn habt, zu führen. Wie war das für dich, den Hof zu übernehmen?

„Der Wandel in der Landwirtschaft findet ja schon seit den 70er Jahren statt, wo es geheißen hat: Wachse oder Weiche. Es war nicht so, dass ich von klein auf die Hofnachfolgerin sein sollte. Erst wie ich auf die Alm gegangen bin, ist bei mir die Liebe zur Landwirtschaft erwacht. Da habe ich entdeckt, was man aus Milch alles machen kann. Es gibt ja ärmere Regionen, da ernährt so eine Kuh alle, eine ganze Familie. Das finde ich faszinierend. Ein kanadischer Milchbauer hat mal gesagt: „Milch ist manifestierte Liebe“. Und dieser Spruch gefällt mir. Immer, wenn ich ein bisserl Milch habe, mach ́ ich einen Kas draus oder Butter – und das finde ich, ist ein Geschenk.“

Findest du noch immer die Zeit, auf die Alm zu gehen?

„Am Anfang war ich noch jedes Jahr einmal auf der Alm. Die letzten zwei Jahre nicht mehr, wegen der Kinder. Und wenn du deine eigenen Viecher auf dem Hof hast, geht es gar nicht. Das letzte Mal, als ich auf die Alm bin, war da eine andere Almerin, die sich nach ihrem Geschmack eingerichtet hatte. Da habe ich mich auch ein bisserl fremd gefühlt. Aber wenn ich alt bin, dann möchte ich wieder auf eine Alm.“

Bereust du es, den Hof übernommen zu haben?

„Also vielleicht bereut es der Tom. Gestern hat er gesagt: ‚Wenn ich noch einmal vor der Entscheidung stehen würde, würde ich es nicht noch mal tun.’ Es bleibt halt viel an ihm hängen, die Arbeit draußen mit all den Maschinen. Gerade dann, wenn er nach dem Fliegen heimkommt und eigentlich erst mal gerne frei hätte, ist es schwierig für ihn. Ich dagegen kann mir die Zeit über die ganze Woche hin besser einteilen. Ich glaube, wenn ich vor der Frage stehen würde, ob ich es noch einmal tun würde, würde ich sagen, ja. Ich würde einige Sachen anders machen, aber im Ganzen gesehen bin ich meinen Eltern dankbar dafür, dass sie mir die Möglichkeit gegeben haben, hier zu leben. Ich betrachte das als ein großes Geschenk. “

Als du Mutter geworden bist, hat sich da dein Verhältnis zum Hof verändert?

„Es ist komisch: Mit jedem Kind schätze ich es mehr, auf dem Hof zu sein. Hier fahren kaum Autos vorbei, du kannst die Tür offen stehen lassen und die Kinder lernen eine ganze Menge einfach durchs Zuschauen. Als der Jakob noch kleiner war, hat er meiner Oma, als sie schon gebrechlich war, immer den Rollator hinterher getragen. Und jetzt bekommt er mit, wie mein Vater langsam alt wird. Mir hat mal jemand gesagt: So wie man selber zu den alten Menschen ist, so wird man später, wenn man selbst alt ist, von den Jungen auch behandelt.“

Würdest du deine Familie als klassische Bauernfamilie bezeichnen?

„Wir sind keine typische Familie. So sehe ich das jedenfalls. Meine Eltern sind hauptsächlich wegen dem Hof zusammen geblieben. Obwohl das für das Bäuerliche typisch ist, weil diese gemeinsame Existenz, der Hof, die Leute dazu bringt, zusammen zu bleiben. Mein Leben ist nicht klassisch verlaufen. Ich war früher viel unterwegs und bin gereist. Es war auch nicht immer leicht daheim. Ich bin irgendwie geflüchtet. Ich habe mir auch nie Kinder vorstellen können und mein Leben nie geplant wie viele andere, die mit fünfzehn schon wissen, was sie einmal in ihrem Leben machen wollen. Einschneidend für mich war einfach der Jakob. Wenn er nicht gewesen wäre, wäre sicher Einiges anders gelaufen.“

Was hältst du davon, dass viele Menschen aus der Stadt sich plötzlich für die Alm interessieren?

„Es gibt viele, die wieder in die Landwirtschaft möchten. Das finde ich gut. Das steht für einen generellen Wandel, hin zur naturbelassenen Ernährung, den Erhalt des Landes. Speziell die Almen boomen, aber die werden auch ein bisschen verklärt. Das ist eine schöne Zeit, aber es ist auch ein harter Job und nicht nur heile Welt. Aber dass man auf die Natur achtet und schaut, woher unsere Nahrung kommt, das finde ich wichtig.