Mehr Wintersport an Schulen

25.1.2016. Mit Sorge beobachten der Deutsche Skiverband (DSV), der Deutsche Skilehrerverband (DSLV) und der Snowboard Verband Deutschland (SVD) den Rückgang von Wintersport-Angeboten an Schulen.

Beim Dein Winter. Dein Sport. Symposium am Montag im Rahmen der ISPO Munich unterstrichen die Initiatorenverbände den hohen Wert von Schneesport für die motorische und pädagogische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Ihre Forderung: mehr Wintersport an Schulen. Dabei wollen die Verbände die Bildungseinrichtungen unterstützen, unter anderem mit einer Info-Plattform für Lehrer sowie konkreten Angeboten für die Organisation von Wintersport-Wochen und -Tagen.

„Obwohl die positive Auswirkung körperlicher Bewegung auf die Lern- und Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen allgemein anerkannt ist, hat es der Wintersport an den Schulen schwer“, sagt Walter Vogel, Geschäftsführer der DSV Marketing GmbH. „Wir beobachten in den vergangenen Jahren einen kontinuierlichen Rückgang von Sport im Allgemeinen und Schneesport-Angeboten im Speziellen.“ Sogar im Wintersport-affinen Bayern verzichten immer mehr Schulen auf die Woche in den Bergen. Die Gründe dafür sind vielschichtig: das Image des Sports, ökologische Bedenken, vermeintlich hohe Kosten, Organisationsaufwand.

„Das sind viele Vorurteile. Es liegt an uns, diesen mit fundierten Informationen zu begegnen und aufzuklären“, betont SVD-Präsident Prof. Hanns-Michael Hölz. Beispielsweise sind die Kosten für eine Aktivwoche im Winter vergleichbar mit Sommerangeboten. „Tatsache ist auch, dass es wenige Sportarten gibt, die so vielfältige und einzigartige Erlebnisse bieten wie der Wintersport“, sagt DSLV-Geschäftsführer Peter Hennekes. „Wenn wir diese Bewegungs- und Naturerfahrungen nicht mehr an die Jugend weitergeben, haben wir eine wichtige Aufgabe in der Gestaltung einer breiten schulischen Bildung vernachlässigt.“

Informations-Plattform in Aufbau

Deshalb suchen die Dein Winter. Dein Sport. Initiatoren Deutscher Skiverband, Deutscher Skilehrerverband und Snowboard Verband Deutschland aktiv den Dialog mit Schulen, Wirtschaft und Politik. Gemeinsam wollen sie Lösungen und Angebote entwickeln, um die Lehrer und Schulen bei der Organisation und Durchführung von Schneesport-Wochen zu unterstützen.

„Wir wollen nicht nur kritisieren, sondern ganz konkret helfen, die Situation zu verbessern“, sagt Walter Vogel vom DSV. Darum entwickeln die drei Verbände derzeit eine gemeinsame Informations-Plattform. Ein Internet-Portal soll bis Herbst 2016 alle Informationen zum Thema Wintersport in der Schule bündeln und den verantwortlichen Lehrern die Arbeit erleichtern.

„Das ist eine wertvolle Hilfe. Denn die Organisation beruht vor allem auf der Initiative von Einzelnen, und die können jede Unterstützung brauchen“, sagt Stefan Nieberle, selbst Gymnasiallehrer und beim DSLV für die Lehrerausbildung zuständig. Für ihn sprechen neben den sportlichen Herausforderungen auch viele pädagogische Aspekte für Wintersport-Wochen: „Unsere Kinder haben aktiven Kontakt mit der Bergwelt und profitieren von enormen sozial-integrativen Effekten. Wir sollten alles daran setzen, ihnen diese einmaligen Erfahrungen zu ermöglichen.“

Konkrete Angebote für Schulen und Förderprojekt

Schon jetzt haben DSV, DSLV und SVD zahlreiche Konzepte erarbeitet, um den Schneesport an Schulen zu fördern: zum Beispiel das ausgezeichnete Programm ticket2nature, Kooperationen mit Skischulen und Vereinen, die Integration von Wintersport-Themen in P-Seminare in der gymnasialen Oberstufe oder Mentoren-Programme, um interessierten Schülern über ein unterrichtbegleitendes Angebot eine Schneesportlehrer-Ausbildung zu ermöglichen. „Es gibt bereits tolle Angebote. Wir arbeiten daran, diese zu erweitern, noch besser aufeinander abzustimmen und zu kommunizieren“, sagt DSV-Marketing-Geschäftsführer Walter Vogel. Im Rahmen der Initiative Dein Winter. Dein Sport. stellen die Verbände im Winter 2016/17 zudem insgesamt 10.000 Euro zur Verfügung, um zehn Schneesport-Projekte an Schulen zu fördern. Teilnehmen können alle schulischen Bildungseinrichtungen in Deutschland. „Damit möchten wir einen Beitrag leisten, um konkrete Impulse zu setzen“, sagt SVD-Präsident Prof. Hanns-Michael Hölz.

Bei ihrem Vorhaben werden DSV, DSLV und SVD von zahlreichen aktiven und ehemaligen Wintersportlern unterstützt, die sich als Paten der Initiative engagieren. Im Rahmen des Dein Winter. Dein Sport. Symposiums bezogen die ehemalige Weltklasse-Biathletin Uschi Disl, Snowboard-Olympiasiegerin Nicola Thost, Top-Langläufer Tobias Angerer und Doppel-Olympiasieger Markus Wasmeier klar Stellung. Sie alle unterstützen die Initiative, um den Wintersport in Deutschland zu fördern. Einer der zentralen Inhalte ist dabei die Begeisterung von Kindern und Jugendlichen. Getragen wird die Initiative von einem starken Partner-Netzwerk: Premium-Unterstützer INTERSPORT Deutschland und ISPO, Superior-Unterstützer Verband Deutscher Seilbahnen, über 90 Unternehmen aus der Wintersport-Branche und mehr als 40 Medienpartnern.

Die Stimmen zum Symposium

Klaus Dittrich, Vorsitzender Geschäftsführung Messe München: „Früher waren es im Skilager ein oder zwei, die nicht Skifahren konnten. Heute ist es eher anders herum. Die Kinder sitzen inzwischen mehr vor dem Computer, als dass sie auf der Piste sind. Dagegen müssen wir etwas tun und frühzeitig ansetzen. Wir brauchen Wintersport in der Schule. Dafür müssen wir die Eltern, Lehrer, aber auch die Politik wachrütteln.“

Kim Roether, Vorstandsvorsitzender INTERSPORT Deutschland: „Das Einzige, was man für den Wintersport mitbringen muss, ist Begeisterung. Es ist ganz wichtig, die Jugend und die Kids so früh wie möglich zum Schneesport zu bringen, denn Kinder entscheiden sehr früh, welcher Sport zu ihnen passt. Wir müssen zeigen wie viel Spaß im Wintersport steckt. Je früher das passiert, desto höher ist die Chance, dass die Kids beim Sport bleiben.“

Dr. Michael Schineis, President Winter Sports Equipment Amer Sports: „Es ist ein menschliches Grundbedürfnis, im Schnee zu rutschen und zu gleiten. Das müssen die Kinder lernen – mit Spaß. Und dafür ist die Schule der richtige Ort. Aber genau an dieser Stelle dürfen wir die Politik nicht aus der Verantwortung lassen. Denn diese gibt den Schulen die Richtlinien vor. Die Lehrer sollten verpflichtet werden, ihren Schülern Wintersport beizubringen. Es kann doch nicht sein, dass eine Rom-Reise gefördert wird und Wintersport-Wochen verhindert werden.“

Arndt Kattwinkel, Geschäftsführer Klühspies Reisen: „Es ist ganz entscheidend, dass wir junge, motivierte Lehrer für den Wintersport begeistern. Zu diesem Thema arbeiten wir zum Beispiel schon intensiv mit dem Kultusministerium in Nordrhein-Westfalen zusammen.“

Tobias Angerer, ehemaliger Weltklasse-Langläufer: „Es ist wichtig, den Wintersport an Schulen zu fördern. Ich selbst habe meine Liebe für den Wintersport in der Schule entdeckt. Jetzt möchte ich so viel wie möglich von dem zurückgeben, was ich selbst als Kind und aktiver Profi-Sportler erleben durfte und was mir auch heute noch große Freude bereitet.“

Uschi Disl, ehemalige Weltklasse-Biathletin: „Die Schulsysteme in anderen Ländern leben es zum Teil schon vor. In Schweden, wo ich mit meiner Familie lebe, haben die Kids zwei volle Stunden in der Woche Wintersport. Generell findet alles draußen statt, auch die Pausen. Das geht im Kindergarten schon los. So begeistert man die Kids schon früh für den Wintersport.“

Markus Wasmeier, Doppel-Olympiasieger Ski alpin: „Wir müssen allen Kids die Möglichkeit geben, rauszugehen – gerade denjenigen, die es nicht von den Eltern vorgelebt bekommen. Der Ausrede, dass der Wintersport generell zu teuer ist, müssen wir entgegenwirken. Es ist ein mühsamer und langsamer Prozess, aber wir dürfen es nicht unversucht lassen. Wenn man die Kids jetzt für den Wintersport begeistert, werden sie auch in Zukunft dabei bleiben.“

Nicola Thost, Snowboard-Olympiasiegerin: „Unser Ziel muss es sein, nicht nur die Kinder und Jugendlichen zu erreichen, die noch nie auf Ski oder Snowboard gestanden haben, sondern auch diejenigen voranzubringen und zu unterstützen, die bereits ihre Leidenschaft für den Wintersport entdeckt haben. Es ist wichtig, tolle Erlebnisse zu ermöglichen, von denen sich die Kids, aber auch Eltern und Freunde, untereinander berichten und so eine große Resonanz zu schaffen.“


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