Oberstaufen feiert 2018 sein 1150-jähriges Jubiläum

16.1.2018 Oberstaufen/Oberallgäu. Den Ort dürften schon die Kelten und Römer gekannt haben, als „Stoufun“ wird er erstmals in einer Urkunde des Klosters St. Gallen vom 20. Dezember des Jahres 868 erwähnt. Damit dürfte das heutige Oberstaufen eine der ältesten verbrieften Siedlungen im Allgäu sein – und feiert 2018 sein 1150-jähriges Jubiläum mit zahlreichen Veranstaltungen.

Im Jubiläumsjahr gibt es Monat für Monat kleine Festivitäten, die die Besonderheiten von Deutschlands einzigem Schroth-Heilbad in den Vordergrund stellen. Höhepunkt ist das Festwochenende vom 3. bis 5. August mit großem Festumzug durch den Ort. Gefeiert wird rund um das Heimatmuseum „Beim Strumpfar“ – wie es sich im Allgäu gehört mit Bieranstich und Blasmusik. Am Samstag treffen sich ehemalige „Staufner“ im Festzelt, abends ist Party angesagt. Den Sonntag leitet ein Festgottesdienst mit anschließendem Frühschoppen ein, bevor am Nachmittag der Festumzug die Ortsgeschichte lebendig werden lässt und abends das Fest mit Musikkapelle ausklingt.

Begonnen hat das Jubiläumsjahr mit einem „Schneeschuh-Festival“ vom 12. bis 14. Januar. Gleichzeitig wurde damit an die Anfänge des Wintersports in Oberstaufen erinnert. Vor 50 Jahren wurde am Staufenhang der 1. Ski-Weltcup der Damen ausgetragen, bis in die 90-er Jahre war Oberstaufen regelmäßig Gastgeber des Skicircus, heute ist es ein bei Familien und ambitionierten Wintersportlern geschätztes Winterziel.

Im Februar zeigen sich Traditionsbewusstsein und Heimatverbundenheit der Oberstaufener in besonderer Weise: im Umzug am Fasnachtsdienstag. Der „Fasnatsziestag“ – wie er in Oberstaufen heißt – erinnert an das Pestjahr 1635. Damals starben gut 700 Einwohner, die Überlebenden trauten sich nicht mehr aus den Häusern. Die ledigen Burschen weckten schließlich den Lebensmut wieder, indem sie auf Geheiß von Graf Hugo von Königsegg-Rothenfels mit Trommeln und Pfeifen die Bürgerfahne durch die Straßen zogen. Der Herr auf Burg Staufen ließ eine Pestkapelle in Weißach bauen und ordnete an, dass die Fahne künftig jährlich durch den Markt getragen werden soll und „der Tag in froher Gemeinschaft zu feiern“ sei. Am 13. Februar 2018 wird die Fahne zum 383. Mal durch den Ort getragen.

Eine Ausstellung in der Alpe Vögelsberg auf dem Gelände des Heimatmuseums erinnert vom 20. Januar bis 18. März mit Bildern und Geschichten an die Geschichte des „Fasnatsziestag“ und die damit verbundenen großen und kleinen Bräuche und Ereignisse.

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Vom 11. bis 30. März thematisieren die Gesundheitswochen die Regenerationskur nach Johann Schroth. Das Naturheilverfahren wird seit 1949 in Oberstaufen praktiziert und beugt in Verbindung mit dem Heilklima des Ortes wirksam Atemwegs-, Herz-, Gefäß- und Kreislauferkrankungen vor, hilft bei Diabetes mellitus Typ II ebenso wie bei Erschöpfungszuständen und Frauenleiden. Einheimische erhalten während der Gesundheitswochen bis zu 25 Prozent Ermäßigung in Schrothkur-Hotels und bei Ärzten.

Am 29. April markiert der „Georgiritt“ in Steibis ein weiteres Brauchtumsereignis. Mehr als 50 Reiter und ihre festlich geschmückten Pferde und Pferdekutschen kommen aus den umliegenden Dörfern nach Steibis. Sie sammeln sich am Dorfbrunnen und reiten dann zu den Klängen der Blasmusik mit ihren traditionellen Fahnen zum Denkmal von St. Georg auf einer Hangwiese. Den Gottesdienst unter freiem Himmel zu Ehren des „Drachentöters“ und Schutzheiligen der Pferde, Reiter, Hufschmiede und anderer Berufe begleiten Alphornbläser und Blasmusik. Nach der Segnung der Pferde treffen sich Gäste und Einheimische dann beim „Frühlingsfest“ in der Steibinger Festhalle.

Dorf- und Kirchfeste sind ebenso wie die Heimatabende im Lauf des Jahres farben- und lebensfrohe Belege für das lebendige Brauchtum der Region. Der Gebirgstrachtenverein „D´Hochgratler“ und die Volkstanzgruppe Oberstaufen zeigen dabei in ihren historischen Trachten traditionelle Tänze. Die aufwändigen goldbestickten Radhauben der Frauen und die schmucken Trachten sind dabei ebenso beliebtes Fotomotiv wie die Bändeltänze.

Oberstaufen liegt direkt an der mittelalterlichen „Oberen Salzstraße“ von Hall in Tirol zum Bodensee. Vom 15. bis 19. Jahrhundert transportierten „Säumer“ oder „Rödler“ mit ihren Pferdefuhrwerken die Salzfässer über den Oberjochpass ins Allgäu und weiter über Immenstadt, Oberstaufen und Simmerberg an den Bodensee. Von dort wurde das Salz in die Schweiz verschifft oder nach Baden transportiert. Ein historischer „Salzzug“ mit alten Pferdefuhrwerken und Kutschen führt am 30. Juni von Immenstadt nach Oberstaufen. Dort wird wieder mit Trachtentanz und Blasmusik ein zünftiges „Rödler-Fest“ gefeiert, bevor der Tross am nächsten Tag nach Simmerberg weiterzieht.

Traditionell ist der Viehscheid Mitte September das fröhlichste Fest der Region. Am 14. September bringen die Hirten rund 1000 Rinder von den Bergweiden im größten Alpgebiet um Oberstaufen zur Scheidwiese ins Tal. Dort wird mit Bieranstich, Schellenverlosung, Tanz und Blasmusik das Ende des Bergsommers kräftig gefeiert. Eine Woche später holen die Hirten und Bauern im benachbarten Thalkirchdorf ihre Rinder von den Bergwiesen ins Tal – und feiern wiederum mit Tanz und Blasmusik.

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