Opelaner lernen Autobau mit der Spielekonsole

8.12.2014 Rüsselsheim. Die Spielkonsole Wii begeistert nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Erwachsene. Über den Controller mit eingebauten Bewegungssensoren spielen weltweit Millionen Menschen am Fernseher Fußball oder machen ihr tägliches Work-Out.

Bei Opel ist sie zukünftig wichtiges Lehrmittel. Mit einem Wii-Controller und einer Microsoft Kinect-Kamera werden künftig Mitarbeiter in der Automobilproduktion auf neue Montageaufgaben vorbereitet. Das geht schnell und ist effektiv.

Welche Teile benötige ich, um beispielsweise einen Airbag zu montieren? Wie sehen sie aus, wo kommen sie hin und in welcher Reihenfolge werden sie eingebaut? Solche Fragen werden im virtuellen Training beantwortet. Dabei erscheint auf einer großen Leinwand die Darstellung der Montagewerkzeuge und der zu verbauenden Einzelteile. Der User steht direkt davor und kann sich frei in alle Richtungen bewegen, da die Kamera seine Bewegungen verfolgt und auf dem Display widerspiegelt. Per Wii-Taste wählt der User eines der Bauteile aus und manövriert es mit speziellen Handbewegungen an die dafür vorgesehene Position. Die Aufgabe ist abgeschlossen, wenn alles korrekt an Ort und Stelle sitzt – eben ganz wie in einem Computerspiel.

„Wir wollen ein System, das es den Mitarbeitern ermöglicht, in ihrer gewohnten Umgebung virtuell zu trainieren“, erklärt Frank Arlt, bei Opel Leiter des Forschungsprojekts VISTRA (Virtual Simulation and Training of Assembly and Service Processes in Digital Factories). Vor drei Jahren initiierte das Unternehmen zusammen mit Partnern aus Forschung und Entwicklung das von der EU geförderte Projekt. Seither wird in Rüsselsheim rund um das virtuelle Training der nächsten Generation geforscht und entwickelt. Ab 2015 soll das VISTRA-System dann auch in der Praxis eingesetzt werden.

An dem EU-Forschungsprojekt beteiligen sich neben Opel sechs weitere Forschungs- und Industrieunternehmen aus Deutschland, Schweden, England und Dänemark. Insgesamt sind bei Opel mittlerweile zehn Mitarbeiter und bei den externen Partnern 40 Fachleute mit dem Projekt befasst.

Zwar gibt es bereits virtuelle Trainingslösungen. „Deren großes Manko ist aber, dass sie den User quasi vergessen“, sagt Arlt. „Wenn wir den Mitarbeiter nur mit Maus und Tastatur an einem PC üben lassen, ist das nicht nah genug an der Realität“.

Virtuelles Training hat viele Vorzüge: Es ist schneller, günstiger und flexibler als das Lernen an nachgebauten Hardware-Prototypen. Eine erste VISTRA-Evaluierung hat beispielsweise ergeben, dass diejenigen, die mit dem virtuellen System lernen, 40 Prozent weniger Fehler machen als diejenigen, die nur an Prototypen üben. Die Mitarbeiter fühlen sich sicherer im Umgang mit den einzelnen Teilen und waren zudem schneller.

Das Training ist personalisiert, so dass jeder genau die Arbeitsschritte lernt, die er selbst später bei der Fahrzeugmontage umsetzen muss. Zudem können mehrere Menschen gleichzeitig damit arbeiten. Das benötigte Equipment ist leicht und flexibel – es passt in einen normalen Aktenkoffer.

Derzeit erforscht das VISTRA-Team, wie effizient das Programm im realen Ablauf genau ist und wie es sich in bisherige Abläufe integrieren lässt. Trotz aller Vorteile soll die neue Virtualität die Arbeit an realen Prototypen nicht komplett ersetzen, sondern vielmehr ergänzen.


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