Tag der offenen Tür Klärwerk Pflegelberg

17.10.2018 Wangen im Allgäu. Das Klärwerk Pflegelberg feiert am Sonntag, 21. Oktober 2018, sein 40-jähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür.

Programm Tag der offenen Tür

Besucherinnen und Besucher können am Tag der offenen Tür von 11 bis 16 Uhr bei einem selbsterklärenden Rundgang das Städtische Abwasserwerk erkunden.

An den einzelnen Stationen gibt es viele Informationen rund um die Abwassertechnik unter dem Motto „Klärwerk Pflegelberg – wir erklären das!“.

Wer sich für eine Ausbildung in diesem Bereich interessiert, findet ebenfalls Ansprechpartner.

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Für die Bewirtung sorgt die Freiwillige Feuerwehr Neukirch.

Veranstaltungsort Tag der offenen Tür: 88099 Neukirch – Talstraße 10 – Klärwerk Pflegelberg

Hintergrund

Dieses Klärwerk wurde in der Folge der Gemeindereform gebaut und 1978 in Betrieb genommen. Die Abwasserbeseitigung war bis dahin in vielen Teilen Wangens und der Ortschaften „katastrophal“, wie Dr. Rainer Jensch in der Wangen Chronik schreibt. In Wangen nahmen die Seen in Neuravensburg und Karsee die Abwässer aus den anliegenden Dörfern auf – mit den entsprechenden Folgen. Neben anderen Einleitungen setzte auch das Abwasser der Textilveredelung der Argen zu.

Das Klärwerk wurde zunächst für die Stadt Wangen mit ihren sechs Ortschaften sowie Amtzell und Neukirch als zentrale Abwasserreinigung geplant und gebaut. Sie liegt auf Gemarkung Neukirch, direkt unterhalb des Zusammenflusses von Oberer und Unterer Argen. Möglich wurde diese zentrale Anlage durch den Bau eines Stollens durch den Dametsweiler Wald. Am 21. Oktober 1978 konnte das Abwasserwerk, das für 80 000 Einwohnerwerte ausgelegt ist, eingeweiht werden. Seit 2009 leitet auch die bayerische Gemeinde Hergensweiler ihr Abwasser nach Pflegelberg.

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Neben rund 36 000 echten Einwohnern (Stand heute) tragen Gewerbebetriebe wie Molkereien, Metall verarbeitende Firmen oder auch die Kliniken in Wangen zum Abwassereintrag bei, so dass derzeit eine Kapazität 60 000 Einwohnerwerten genutzt ist. In den Gesamtkosten von 48 Millionen D-Mark (24,54 Mio. Euro) waren 29 Millionen Mark enthalten, die allein für den Kanalbau ausgegeben werden mussten.

1996 begannen die Planungen für die Optimierung der Anlage, ein Jahr später wurden die Grob- und Feinrechenanlagen umgebaut. Fortan verging kaum ein Jahr, ohne dass an dem Werk gebaut oder saniert worden wäre. Bis heute wurden 15 Millionen Euro in die Modernisierung der Anlage gesteckt.

2007 fiel der Startschuss zur Klärschlammtrocknung auf einem Niedertemperaturbandtrockner (NTT). Damit rückte das Thema der Nutzung regenerativer Energien in den Blick. Für die Klärschlammtrocknung wird die Abwärme aus der Biosgasanlage „Bioenergie Allgäu GmbH & Co. KG“ genutzt, die sich ebenfalls auf dem Kläranlagengelände befindet. Sie wird von mehreren Landwirten aus der Umgebung betrieben. Diese Biogasanlage ist auf 500 KW Stromerzeugung ausgelegt und produziert noch einmal dieselbe Energiemenge an Abwärme. Das Klärwerk trocknet damit die jährlich anfallenden rund 4000 Tonnen Klärschlamm, so dass noch 800 Tonnen Granulat übrigbleiben, das in Zementwerken verheizt wird.

Im Jahr 2011 wurde die Schlammfaulung mit Faulgasverwertung im eigenen Blockheizkraftwerk (BHKW) in Betrieb genommen. Beheizt wird der Faulturm mit der Abwärme dieses BHKW und durch die Abwärme der benachbarten Biogasanlage. Auch das Betriebsgebäude wird durch diese Energie beheizt.

Die Kläranlage arbeitet in drei Reinigungsstufen. In der ersten mechanischen Reinigungsstufe entfernen Grobrechen Bestandteile wie Papier und Hygieneartikel aus dem Wasser. Das gewaschene und entwässerte Rechengut wird anschließend in Containern entsorgt. Mit Hilfe eines Schneckenpumpwerk wird der Zulauf des Abwassers in die Feinrechenanlage gepumpt. Dort werden Feststoffe bis zur Größe von sechs Millimetern ausgefiltert. Der Sand- und Fettfang pumpt den im Abwasser enthaltenen Sand nach dem Absetzen ab und wäscht ihn aus. Gleichzeitig wird hier auch aufschwimmendes Fett aus dem System entfernt.

In der biologischen Reinigungsstufe bauen Mikroorganismen die im Abwasser enthaltenen Schmutzstoffe ab. Der dafür benötigte Sauerstoff wird in den beiden, jeweils 9.000 Kubikmeter großen Belebungsbecken durch die Oberflächenbelüfter zugeführt. Rührwerke sorgen dabei für die notwendige Homogenisierung des Wasser-Schlammgemischs. In den drei Nachklärbecken setzen sich Belebtschlammflocken ab und werden als Rücklaufschlamm abgezogen. Diese Becken wurden in den Jahren 2014/2015 saniert.

Weil die Argen in den Bodensee fließt, müssen strenge Phosphat-Richtlinien eingehalten werden. Für das Klärwerk Pflegelberg heißt das, dass der gesetzliche Grenzwert von 0,3 Milligramm/Liter für Gesamt-Phosphat nicht überschritten werden darf. Die Anlage in Pflegelberg bleibt mit einem Jahresmittelwert von 0,12 Milligramm Gesamt-Phosphat deutlich unter diesem Wert. Dieser Wert wird mit Hilfe des im Jahr 2000 gebauten Sandfilters erreicht. Diese Anlage betraf auch die jüngste Sanierung im Klärwerk. Nachdem im Vorjahr die Maschinentechnik der Sandfilteranlage überholt worden war, wurde jetzt der Beton erneuert und das Filtermaterial gewechselt. Die Arbeiten dauerten von Mai bis Ende September 2018.

Dass die Anlage Vorbildcharakter hat, stellt sie jedes Jahr unter Beweis. „Sie entspricht nicht nur den strengen Maßstäben der Europäischen Union (EU)“, sagt Michael Sturm, Betriebsleiter der Kläranlage. „Wir freuen uns sehr und sind stolz darauf, dass wir im jährlichen Wettbewerb der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA) regelmäßig mit sehr gut bewertet werden.“

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