HyAllgäu: Machbarkeitsstudie zur Wasserstoffregion

30.7.2021 Kempten (Allgäu). Die Wasserstofftechnologie birgt große Potentiale zur Erreichung der Energiewende. Im Allgäu wurden diese mit der Machbarkeitsstudie HyAllgäu untersucht. Die Ergebnisse und Möglichkeiten wurden dem Bundesverkehrsministerium und Staatsminister Hubert Aiwanger an der Hochschule Kempten vorgestellt.

Das Symposium an der Hochschule Kempten ist einmalig in mehrerlei Hinsicht: Als erste von 13 Regionen in Deutschland legen das Oberallgäu und Kempten ihren Abschlussbericht vor.

Es ist die einzige größere Veranstaltung an der Hochschule Kempten, die in diesem Semester in Präsenz stattfinden kann, mit immerhin 50 Personen im Thomas-Dachser-Auditorium, das in normalen Jahren mehrere hundert Plätze bietet.

Auch Ausstellungsstücke im Außenbereich gibt es. Die Veranstaltung ist eine Art Startpunkt für einen neuen Baustein der Energiewende im Allgäu: die Wasserstoffwirtschaft.

Seit 2019 kooperieren die Stadt Kempten und der Landkreis Oberallgäu im Projekt „HyAllgäu“. Innerhalb eines Jahres wurde eine Machbarkeitsstudie durch das Unternehmen bluemove consulting aus München erarbeitet, sowie eine wissenschaftliche Untersuchung durch die Hochschule Kempten.

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Zentrale Frage war, wie der Energieträger Wasserstoff im Sinne der Energiewende und der regionalen Wirtschaftsentwicklung erzeugt und genutzt werden kann. Dies wurde vollumfänglich durch das Nationale Investitionsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP II) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert.

Die Förderrichtlinie wird von der NOW GmbH koordiniert und durch den Projektträger Jülich (PtJ) umgesetzt.

Parallel zu den Studien dazu machten sich die Unternehmen ZAK, Allgäuer Überlandwerk und Allgäuer Kraftwerke unter der gemeinsamen Firmierung Bioenergie Allgäu GmbH sowie der Abwasserverband Kempten intensive Gedanken zur Erzeugung von grünem Wasserstoff im Allgäu.

Durch die enge Vernetzung aller Akteure in der Region konnte das Gesamtpotenzial an grünem Wasserstoff aus dem Allgäu von ursprünglich 30 Tonnen im Jahr auf bis zu 1.000 Tonnen grünen Wasserstoffes deutlich gesteigert werden. Das entspricht in etwa dem Betrieb von rund 200 Bussen und Lastwagen mit einer Gesamtlaufleistung von rund 8 Mio. Kilometer pro Jahr.

Relativ kurzfristig könnte das Allgäu so zu einer Art „Kornkammer“ der Wasserstoffversorgung für die umliegenden Regionen werden.

Tatsächlich gibt es nämlich zum heutigen Zeitpunkt kaum Erzeuger von Wasserstoff auf Basis erneuerbarer Energie im süddeutschen Raum.

Wasserstoff ist ein Speicher- und Transportmittel für Energie und erfüllt so eine wichtige Funktion, wenn das Energiesystem in den kommenden Jahren auf 100 % erneuerbaren Strom umgebaut wird.

In der Industrie wird Wasserstoff bereits heute beispielsweise als Schutzgas beim Schweißen benötigt. Bislang wird hierfür jedoch sogenannter grauer Wasserstoff eingesetzt.

Erzeugt aus fossiler Energie, bestenfalls als Abfallprodukt anderer chemischer Produkte. Die Alternative soll schon bald grüner Allgäuer Wasserstoff sein, im ersten Schritt beispielsweise aus der Kläranlage Kempten/Lauben des Abwasserverbands Kempten.

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Dort zeigt die Machbarkeitsstudie, wie vorhandene Blockheizkraftwerke besser mit dem selbsterzeugten Gas ausgelastet und die Abfallprodukte der Wasserstofferzeugung, Sauerstoff und Wärme bestmöglich genutzt werden können.

Im Energiedorf Wildpoldsried wurde ermittelt, wie mit einigen Kniffen im Zusammenspiel von Wind- und Sonnenenergie mit Biomasse Wasserstoff hergestellt werden kann.

Untersucht wurden außerdem lokale Wasserkraft (AÜW) und die Müllverbrennungsanlage Kempten (ZAK), sowie mögliche Abnehmer wie Busunternehmen, Müllsammelfahrzeuge oder eben die Industrie u.a.

Hierzu führte die Hochschule Kempten eine größere Unternehmensbefragung durch. Die Ergebnisse sind positiv: Wasserstoff kann grün und zu konkurrenzfähigen Preisen erzeugt werden. Das ermöglicht es, Allgäuer Energie vor Ort in ein handelbares Gut umzuwandeln.

Durch die Abgabe vor Ort oder mit kurzen Transportwegen an öffentliche Busse, die Industrie oder auch Wohnquartiere, Schwimmbäder usw. entsteht ein lokaler Wirtschaftskreislauf.

Diese Botschaft der HyAllgäu-Machbarkeitsstudie übermittelten die Oberallgäuer Landrätin Baier-Müller und Kemptens Oberbürgermeister Kiechle im Rahmen der Veranstaltung an Bundesminister Scheuer und Staatsminister Aiwanger.

Teil der Botschaft sind auch mahnende Worte, denn während im Allgäu mit seinen vielen verschiedenen erneuerbaren Stromquellen bereits heute grüner Wasserstoff erzeugt werden kann, werden andernorts „Übergangslösungen auf dem Weg zur Klimaneutralität“ favorisiert.

Aufgrund der Ergebnisse von HyAllgäu lässt sich feststellen, dass diese Übergangslösungen vor allem eines sind: billiger als grüner Wasserstoff und eben nicht treibhausgasneutral. Sie unterlaufen damit die Projekte, die Treibhausgasneutralität ernst meinen und das nicht nur im Allgäu.

Fördermittel waren ebenfalls ein Thema des politischen Austauschs, an den sich über zwei Tage verteilt Vorträge hochkarätiger Referenten anschlossen. Derzeit sind Wasserstoffanwendungen häufig noch teurer als fossile Vorgängerprodukte, beispielsweise kostet ein in Kleinserie gefertigter Wasserstoffbus mehr als das doppelte eines Dieselbusses.

Hierfür, wie auch für Wasserstofftankstellen gibt es bereits Fördermittel. Zusatzkosten entstehen am Beispiel der Busse aber auch durch Schulung von Mitarbeitern, Umbau von Betriebshöfen und fehlende Werkstätten. Hier ist ebenfalls Unterstützung notwendig und Vorreiter-Unternehmen gebührt Anerkennung für ihre Leistungen.

Stimmen zum Thema Wasserstoff im Allgäu

​​​​​​​„Beim Thema Energiewende werden wir auch zukünftig gemeinsam vorangehen. Wenn es uns gelingt – wie beim Thema Wasserstoff – unsere Ressourcen vor Ort nachhaltig zu nutzen, zu veredeln und Wertschöpfung zu erzielen, dann sind wir auf dem richtigen Weg“, sind sich Landrätin Indra Baier-Müller (Landkreis Oberallgäu) und Oberbürgermeister Thomas Kiechle (Stadt Kempten) einig.

„Das Potential, Wasserstoff zu erzeugen, ist in unserer Region grundsätzlich vorhanden und stellt somit einen wichtigen Schritt für die Erreichung unserer Klimaziele dar. Wir sehen, dass die dafür erforderliche Technologie bereits reif ist. Der zukünftige Einsatz von Wasserstoff im Rahmen der Energiewende bedeutet einen Transformationsprozess. Einsatz und Start einer Produktion hängt somit stark von Wirtschaftlichkeit und konkreten Absatzkunden speziell in unserer Region ab“, so Michael Lucke, Geschäftsführer AÜW und BioEnergieAllgäu.

„Die Erzeugung von Wasserstoff ist das Eine. Mindestens genauso wichtig ist es allerdings, Partner und Firmen zu finden, die den erzeugten Wasserstoff auch nutzen. Ein Potential sehen wir unter anderem bei Unternehmen rund um den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), bei Speditionen und Baufirmen. Es wird unsere Aufgabe sein, die kommenden Monate für intensive Gespräche mit möglichen Partnern zu nutzen und Verbindlichkeiten zu schaffen. Wir sind aber davon überzeugt, dass wir weitere Partner finden, die gemeinsam mit uns an die Idee glauben und diese realisieren“, ergänzt Karl-Heinz Lumer, Geschäftsführer ZAK und BioEnergieAllgäu.

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