Landkreis Unterallgäu steht weiter hinter dem Flexibus

11.2.2020 Landkreis Unterallgäu. „Der Flexibus ist eine wichtige Ergänzung zum bestehenden Angebot von Bus und Bahn im Unterallgäu.“ Davon ist Landrat Hans-Joachim Weirather überzeugt und will deshalb eine flächendeckende Einführung im Unterallgäu weiter vorantreiben – auch wenn das Projekt im Wertachtal derzeit ins Stocken geraten ist.

„Wir im Kreistag haben für den Flexibus gestimmt und die finanzielle Unterstützung des Landkreises zugesagt in dem Bewusstsein, dass wir neue Wege im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) beschreiten.“ Da könnten nicht von Anfang an alle Wünsche erfüllt werden.

„Das Angebot wird über fünf Jahre getestet, wir werden daran arbeiten und es weiter verbessern.“ Weirather wünscht sich dazu von den Gemeinden Bereitschaft zur Zusammenarbeit und Solidarität. „Von vornherein Forderungen zu stellen, die nicht realisierbar sind, bringt uns nicht weiter und verbessert auch nicht den ÖPNV für unsere Landkreisbürger.“

Seit 2018 fährt der Flexibus im Raum Kirchheim-Pfaffenhausen und im Raum Mindelheim, seit November 2019 auch in den Verwaltungsgemeinschaften Babenhausen und Boos. Anfang April geht der Knoten Ottobeuren-Markt Rettenbach in Betrieb.

Auch im Wertachtal sollte bald der Flexibus fahren. Doch die Gemeinde Rammingen fordert eine Anbindung nach Bad Wörishofen – eine Bedingung, die derzeit nicht erfüllbar sei, sagt Helmut Höld vom Sachgebiet ÖPNV am Landratsamt: „Die Bayerische Eisenbahngesellschaft hat uns bereits signalisiert, dass sie einer Anbindung von Türkheim nach Bad Wörishofen nicht zustimmen wird, weil damit ein Parallelverkehr entstehen würde. Damit sind uns die Hände gebunden.“

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Und weil die Gemeinde Wiedergeltingen beim Flexibus nur mitmacht, wenn alle Nachbar-Gemeinden mit im Boot sind, sei auch dieser Beschluss ablehnend zu werten.

Türkheim hat grundsätzlich zugesagt, wünscht sich aber auch eine Verbindung nach Bad Wörishofen.

Die Gemeinde Ettringen hat den Beitritt zum Flexibus einstimmig beschlossen. Später soll gegebenenfalls eine Anbindung nach Schwabmünchen geprüft werden.

Für alle Gemeinden im Wertachtal und auch für den Landkreis ist eine Anbindung an Buchloe elementar. Die Gemeinde Amberg hat noch nicht über das Thema beraten.

Wie es nun weitergeht? Höld erklärt: „Je nach Beschlusslage müssen wir mit den teilnehmenden Gemeinden und Verkehrsunternehmen einen neuen Gebietszuschnitt dieses Flexibus-Knotens prüfen.“

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Weirather betont jedoch: „Für die Gemeinden Rammingen und Wiedergeltingen stehen die Türen weiterhin offen.“ Er ist überzeugt: „Vor allem Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, profitieren vom Flexibus – zum Beispiel Menschen, die kein eigenes Auto besitzen, Senioren und Menschen mit einer Beeinträchtigung.“

Der Flexibus eignet sich auch für Rohlstuhltransporte. Der Landrat gibt zu bedenken: „Wir können nicht unsere Senioren auffordern, den Führerschein abzugeben, aber ihnen dann keine Alternative zum Auto anbieten, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.“

Im Wertachtal hätte der Flexibus zum Beispiel die Lücke zu den Bahnhöfen schließen können: „Nicht jeder erreicht den Bahnhof fußläufig“, sagt Weirather. Zudem soll den Bürgern der Weg in den nächsten größeren Ort – in diesem Fall Türkheim – erleichtert werden, um zum Beispiel zum Arzt, zum Steuerberater oder zum Einkaufen zu gelangen. Darüber hinaus hätten auch die ehrenamtlich tätigen Nachbarschaftshilfen und Fahrdienste für Asylbewerber und pflegende Angehörige entlastet werden können.

Weirather sagt: „Wir werden den Flexibus weiter forcieren, denn weitere Gemeinden haben bereits Interesse bekundet.“ Er ist überzeugt: „Der Flexibus ist ein Schritt auf dem Weg zu einem flexiblen, modernen ÖPNV.“

So funktioniert der Flexibus

Der Flexibus ist in einem begrenzten Gebiet, dem sogenannten Knoten, unterwegs. Denn: „ÖPNV funktioniert dort, wo mehrere Menschen zur gleichen Zeit in die gleiche Richtung fahren. Es muss also eine Fahrgastbündelung möglich sein“, erklärt Höld.

Die Fahrt wird individuell gebucht – telefonisch oder mit der Flexibus-App. Die Bus-Route richtet sich dann nach den jeweiligen Anfragen.

Dabei bedient der Flexibus ein dichtes Haltestellennetz, bei dem die Fußwege zur nächsten Haltestelle in der Regel nicht mehr als 100 bis 150 Meter betragen.

Außerdem werden an wichtigen Einrichtungen wie an Apotheken, Altenheimen oder Supermärkten zusätzliche Haltepunkte eingerichtet. Der Flexibus dient auch als Zubringer zum bestehenden ÖPNV-Netz.

Wer mit Schwerbehindertenausweis und entsprechender Wertmarke unterwegs ist, fährt kostenlos. Alle anderen zahlen etwas mehr als für den regulären Linienbus. Das Defizit, das dem Busunternehmen entsteht, trägt – abzüglich einer Förderung des Freistaats – zur Hälfte der Landkreis. Die andere Hälfte verteilt sich auf die Gemeinden im jeweiligen Knoten.

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